Jul 19 2010
AFL 2010 – 10 Punkte für das Album
Die AFL 2010 liegt hinter uns und so kann man an einem ruhigen Sonntag einige Strömungen der letzten Saison zusammentragen. Es sind die ersten 10 Gedanken, sowohl Reihenfolge als auch Relevanz sind reiner Zufall.
1. Dragons gewinnen Austrian Bowl
Monokulturen sind nicht widerstandsfähig, degenerieren und werden irgendwann ausgelöscht. Was für Pflanzen gilt, ist gleichermaßen auf den Sport anzuwenden. Seit 1993 – immerhin 16 Jahre – hat es keinen Sieg mehr gegeben, der nicht an Vikings, Giants oder Raiders gegangen ist. Diese Monokultur hat eine Blutauffrischung erhalten und das wird dem Sport helfen. Herzliche Gratuation an die Dragons. Ihr efrischt uns alle und ihr habt es Euch mehr als verdient.
2. Dominanz war gestern
Wer vermeint eine Trendwende zu sehen und vermeint Raiders, Giants oder Vikings abschreiben zu können irrt gewaltig. Kein Playoff Spiel wurde um mehr als einen TD gewonnen. Der Unterschied zwischen ganz oben und ganz unten war noch nie derart auf Messers Schneide. Ein einziges Play kann in solchen Partien den Unterschied machen. Tagesverfassung und Glück sind hier wesentliche Faktoren.
Die Aufregung um die “Schlechtheit” des eigenen Teams, dass insbesondere bei Fans um sich greift, ist hier nicht wirklich angebracht. Jedes der Topteams hätte die Austrian Bowl erreichen und gewinnen können. Die Zeiten der 80:nix Playoffs ist vorbei und das ist eine gute Nachricht.
3. Werbewertrelevante Berichterstattung
Während die Print-Medien Football weitgehend den üblichen Raum eingeräumt haben, hat die TV – Berichterstattung zur AFL 2010 einen Rückschritt gebracht.
Der ORF hat kurzfristig AFL Crush eingestellt und eine Alternative konnte trotz großer Anstrengungen nicht gefunden werden. Letztlich ist die Zielgruppe zu klein um eine kommerziell sinnvolle Sache im traditionellen TV zu machen. Die projektierten Sendungen sind von rund 10.000 Zusehern ausgegangen, womit eine Vermarktung im traditionellen Fernsehen bei Kosten von über 10.000 EUR pro Sendung derzeit unrealistisch ist. Ein Tausenderpreis von Tausend ist maximal im Luxusgüter-Segment akzeptabel. Da die Bentleyfahrer im Football aber noch nicht Mainstream sind, ist das ein klares Killerargument gegen das sich kaum argumentieren lässt.
Für traditionelles Fernsehen hat Football nur 3 Möglichkeiten:
- Die Anzahl der Zuschauer deutlich steigern (aus der Situation heraus sehr schwer)
- Den ORF, der deutlich mehr Fernsehzeit als Programm hat, möglichst stark einbinden, darüber Punkt 1 verbessern und irgendwann in eine Größe wachsen, in der man nicht mehr ignoriert werden kann.
- Einen positiv verrückten Programmdirektor eines alternativsenders finden, der 1-2 Saisonen investieren will/kann, bevor er etwas herausbekommt (wenn er dann noch den Job hat).
4. Imports dominieren
Am Spielfeld sind die MVPs klar verteilt: Imports: 3 Ösis: 0,5.
0,5 deshalb, weil der Youngstar of the Year automatisch an einen Österreicher vergeben wird. Wenn man weiters bedenkt, dass die Personen, die den Liga-MVP wählen nur zu gerne auch Österreicher dabei hätten, dann bedeutet das Ergebnis, dass einerseits die Verstärkungen diesen Namen auch verdienen und andererseits, dass hier beim allgemeinen Jubel über Eigengewächse doch noch deutlich Luft nach oben besteht.
Wenigstens der Coach des Jahres geht bei starker Konkurrenz an einen Österreicher: Ivan Zivko gewinnt zurecht diesen Titel. Er hat heuer alles am Richtigsten gemacht und ein Team geschaffen, dass den Fluch der Titellosigkeit (die Blue River Bowl einmal ausgenommen) gebrochen hat. Applaus.
5. Laufspiel ist nichts für Imports
Für alle Strategen unter uns, muss man sich ernsthaft die Frage stellen, wie man bei der geringen Anzahl von Imports den meisten “Bang for a Buck” bekommt. Die abgelaufene Saison hat gezeigt, dass das Laufspiel eines Teams über ein gesamtes Spiel leichter zu kontrollieren ist, als der Pass. Marty und Horton waren so ein Duo, dass immer wieder bei 3ten und lang unmögliche Situationen gedreht hat. Und wenn sich die Verteidigung auf Horton konzentrierte, dann war einer der anderen Receiver frei. Damit schafft ein Widereceiver einfach mehr Möglichkeiten als ein Running Back, der 100mal ins Feuer geschickt wird.
Race und Cooper sind sicher Ausnahmespieler, die Spiele entscheiden können und die jeder Offensive Coordinator gerne in seinem Team hätte. Die entscheidenden Spiele gegen sehr gute Defenses konnten aber beide nicht umdrehen.
6. Ligasponsor
Mit 4 Teams, die um die Spitze spielen, wird die Suche wahrscheinlich leichter. Aber das zentrale Problem bleibt. Was kann der AFBÖ einem Sponsor anbieten, dass er in Wien und in Innsbruck nicht direkt und besser bekommt?
Die Stadien und/oder Besucherzahlen der anderen Teams sind nicht geeignet einen Großsponsor anzulocken. Dieser will für jeden Euro, den er hier hineinsteckt auch ein Mehrfaches davon herausholen. Aber wie soll das gehen?
Die Antwort ist einfach: Es geht nicht.
Wie könnte es gehen? Auch wenn das die Teams nicht freuen wird, ist der einzige Weg zu einem Ligasponsor eine zentrale PR und Werbeschiene aller Teams durch eine professionelle Agentur. Das funktioniert in anderen Sportarten wie Icehockey nicht anders. Ob sich dafür eine Mehrheit finden ließe, die auch die Startkosten davon tragen würde, steht auf einem anderen Blatt.
7. Mehr Spiele
Ein wesentlicher Kritikpunkt an der Liga ist die Zahl der Spiele. auch die AFL wird sich irgendwann überlegen müssen den Spielbetrieb zu verlängern. Nach vorne kann man nicht, also wäre der einzige Weg eine Sommerpause plus Spiele/Playoffs danach. So spielt auch die GFL und will man irgendwann 6-8 garantierte Heimspiele für alle, dann ist das die einzige Möglichkeit.
Derzeit haben ja die kleinen Teams tendenziell das Nachsehen. Da sie nicht EFL spielen, haben sie weniger Heimspiele und damit einen klaren Vermarktungsnachteil gegenüber den “großen” Teams. Will man wirklich zusammenrücken, dann ist dieses Problem zu lösen.
Derzeit scheuen die Teams die zusätzlichen Kosten und Probleme, die das mit Imports und Coaches ergibt. Sobald die Teams an ihren Heimspielen Kasse machen, sollte sich dieses Problem von selbst lösen.
8. Zuschauer
Die AFL scheint heuer einen neuen Zuschauerrekord aufzustellen. Die offiziellen Zahlen sind da zwar kein echter Indikator, da der Daumen praktisch immer zu dick aufgetragen wird, aus internen Quellen ist aber durchgesickert, dass es trotz teilweise sehr schlechten Wetters zB in Wien echte 10% plus unter den Abrechnungen stehen.
Auch hier ist das Ergebnis immer differenziert zu sehen. Beginnt ein Team gerade zu wachsen, erzielt es hohe Zuwachsraten, während etablierte Teams nur mehr geringere Zuwächse verzeichnen.
Eine stagnierende Zuschauerzahl wäre aber ein Alarmsignal für jedes Team. Die Einnahmen aus Heimspielen können zu einem wichtigen Posten im Budget werden und so müssen sich alle Teams fragen, wie sie hier weiter kommen. Natürlich gibt es kein Kochrezept dafür, aber Cheerleader, Stadion, Sprecher, Einlauf und Musik sind die Ingredienzien des Eerfolges. Welcher dieser Teile gut umgesetzt ist, kann man bei den Zuschauern erheben, die im Stadion sind und so die eine oder andere Schwäche zunächst erkennen und dann beheben. Betriebsblindheit ist hier jedenfalls die größte Bedrohung.
9. Referees
Die Leistungen der Referees im Detail zu besprechen macht nach der Saison keinen Sinn. Natürlich gab es auch eigenwillige Calls, aber insgesamt war die Leistung sehr anständig. Was aber etwas fehlt ist ein lebendiger AFSÖ, der insbesondere ehemalige Spieler integriert.
Hier haben aber auch die Teams noch deutlich dazuzulernen, da gerade die ehemaligen Spieler als Refs regelmäßig deswegen angegriffen werden. Bisher waren diese Anschuldigungen regelmäßig vollkommener Topfen, aber das scheint in Rage befindliche Funktionäre nicht davon abzuhalten diese Karte immer wieder zu spielen. Und da beginnt das Übel. Wenn wir damit nicht aufhören, dann werden sich auch in Zukunft kaum Spieler melden und z.B. die Fangbarkeit von Bällen weiterhin von Leuten beurteilt, die das selbst nie getan haben. Die Entscheidung liegt also bei uns.
10. WM 2011
Das ist der entscheidende Moment für den österreichischen Football. Es ist wie ein Elfmeter, den wir in der 90. Minute bekommen.
Treffen wir, dann könnte Football in den Köpfen der Leute zumindest das Niveau von Handball erreichen und einen wichtigen Schritt nach vorne machen. Wir erreichen neue Sphären, die noch nie von uns betreten wurden.
Verschießen wir den Elfer, dann beweisen wir allen Neidern und Mißgünstlingen, dass es immer schon richtig war Football nicht für voll zu nehmen. Dann ist der Ofen auf absehbare Zeit einmal aus.
Die Bedeutung dieses Momentes ist für diese Community unheimlich groß. Nur eines scheint sicher: Auf dem gleichen Niveau wie heute stehen wir dann nicht mehr. Ob es hinauf oder hinunter geht liegt in unser aller Hand. Nutzen wir die Chance!

AFL Crush ist im Österreichischen Sport eine Einzigartige Sache. In praktisch keiner anderen Sportart ist die Zusammenarbeit des ORF mit den Videomitarbeitern der Teams so groß. Das Magazin hat dabei ganz ordentliche Einschaltziffern, eine Schaltung in der Nachtschiene des ORF rechtfertigen diese aber leider noch nicht.

Damit ist Österreich dem erklärten Ziel die B-EM gewinnen zu wollen einen wichtigen Schritt näher gekommen. Als Gegner für das Spiel kommenden Samstag seht bereits Dänemark fest, die die Tschechische Republik mit 34:0 abfertigen konnten.
Das Spiel am Samstag wird ein besonderes Footballfest, könnte Team Austria doch den entscheidenden Schritt zum Einzug in die Gruppe A schaffen. Dies wäre der größte Erfolg, den das Österreichische Nationalteam je erzielt hat. Außerdem ist es eine großartige Gelegenheit für die österreichische Football Community gemeinsam einen derartigen Erfolg zu erleben. Wolfsberg wird wie immer gut besucht sein, also rechtzeitig Karten sichern, damit es auch mit dem Sitzplatz funktioniert.
