Oct 19
AFL 2009 – Alles weiterhin offen
Hinter den Kulissen der AFL und Division I rumort es gehörig. Nach der Ankündigung von vier Teams der diesjährigen AFL, dass sie an einer AFL in dieser Form nicht mehr interessiert wären und der Ankündigung von zwei dieser Teams, dass sie jedenfalls in die Division I absteigen würden, war klar, dass neue Ideen gefragt sind.
Und so gab es das traditionelle Treffen der AFL Teams und der potentiellen Aufsteiger aus der Division I – Invaders, Bulls, Steelsharks. Dieses Treffen, das in dieser Form bereits in den vergangenen Jahren stattgefunden hat, haben die Turek Graz Giants ihre Vorstellung einer 8er AFL vorgestellt. Im Rahmen der Sitzung stellte sich allerdings heraus, dass dieser Plan einen entscheidenden Schönheitsfehler hatte: Während die AFL-Teams von der Aussicht schlagbarer Gegner begeistert waren, konnten sich die Division I Teams mit dieser Rolle nicht so recht identifizieren.
In den Augen vieler Teams sind die Vikings II der Maßstab, der zeigt, ob ein Team für die AFL reif ist. Die gängige Theorie ist, dass wer gegen ein VikingsII Team, in dem lt. Reglement kein Spieler der besten 30 Spieler der Vikings I spielen darf, verliert, nichts in der AFL zu suchen hat. Die Theorie ist grundsätzlich durchaus nachvollziehbar, allerdings gibt es mit den Danube Dragons ein Team, dass nach einer Katastrophensaison in der Division I, direkt und sehr erfolgreich in die AFL zurückgekehrt ist. Der Unterschied ist hier wohl, dass die Dragons ein Konzept hatten und unbedingt wieder in die AFL wollten. Dieser unbedingte Wille fehlte den Division I Teams zumindest bei der Sitzung in Salzburg.
Nachdem die 8er Liga damit gescheitert war, gab es zunächst noch die Möglichkeit einer 4er AFL bzw. die theoretische Möglichkeit die AFL durch Prag zu einer 5er Liga zu machen.
Nach langer Diskussion wurde von den Giants ein neuer Vorschlag eingebracht. Eine Konstruktion von zwei “echten” Ligen und einer Zwischengruppe, heute als “Twilight Zone” bekannt, war geboren. Diese Konstellation hat durchaus einige Vorteile:
- Devils und Lions bekommen Spiele mit schlagbaren Gegnern
- Die Division I Teams bekommen eine Gelegenheit sich mit Teams aus der AFL zu messen und sich dadurch zu verbessern
- Die reinen AFL Teams haben nicht nur schwere Spiele gegen einander, in denen sie sich gegenseitig aufreiben
- Die Konstellation ist die erste Liga, die ein Zusammenrücken zwischen AFL und Division I ernsthaft unterstützt
Trotz des eigenartigen Gefühls, den die Konstruktion bei erster Betrachtung auslöst, muss man doch feststellen, dass für die teilnehmenden Teams fast nur Vorteile bestehen. Das hässliche Entlein ist vielleicht doch ein Schwan.
Nachteile gibt es aber natürlich auch:
- Ein Teil der Spiele ist maximal für das Heimrecht in den Playoffs von Bedeutung
- Die beiden Ligen und ihre jeweiligen Stände sind nicht einfach zu kommunizieren
Allerdings muss man beide Nachteile als wenig relevant einstufen. Den ersten, weil es in der Geschichte der AFL noch nie ein Spiel zwischen den Top-Teams gegeben hat, in dem ein Team nicht versucht hat zu gewinnen. Den zweiten, weil sich die regelmäßige überregionale Berichterstattung über die AFL in Wahrheit auf etwa vier Journalisten beschränkt (Bortenschlager, Reiterer, Ryan, Schlitzer). Denen wird man es wohl erklären können.
Ein offener Punkt ist noch die Teilnahme der Gladiators an einer derartigen Liga. Da diese nicht zum Kreis der potentiellen 8 AFL Teams gehörten, waren diese in Salzburg nicht eingeladen. Ob die Division I mit oder ihnen stattfindet ist zwar interessant, aber für die Spielfähigkeit der Liga kein entscheidender Faktor.
Weiteres Salz in der Suppe kommt indes von den Devils und Lions. Diese fordern weitere Spezialregelungen, ohne die sie nicht glauben, die in Salzburg vereinbarte Liga spielen zu können. Man möchte gegen die AFL-Teams mit einem A-Klasse Spieler mehr am Feld spielen können (4 am Roster, 3 am Feld) und zusätzlich 3 Spieler einer neuen “E”-Klasse einsetzen dürfen. Diese enthält europäische Spieler ohne US-College-/NFL-/CFL-Erfahrung, die aber gegen Geld eingekauft werden dürfen.
Dass ihnen das nicht bereits in Salzburg eingefallen ist, wird von denn AFL-Teams nicht nur mit Begeisterung aufgenommen. Es gibt hier durchaus Stimmen die AFL dann ohne Twilight-Teams abzuhalten. Man ist die Sonderregelungen leid und will keine weiteren Zugeständnisse mehr machen. Der Einsatz von NFL-Spielern durch die Devils wird da durchaus kritisch betrachtet. Was man sicher nicht will, ist dass man im Playoff plötzlich gegen ein ganz anderes Twilight-Team spielen muss, in dem neben 4 Spitzen-US-Imports dann auch noch 3 Top-Europäer zu finden sind. Erfahrungsgemäß sinkt die Großzügigkeit der Teams, wenn es um den Einzug in die Austrian Bowl geht. Und an diesem Spiel werden die Teams ihre Zustimmung wohl selbst ausrichten.
Diese Entscheidung werden sich die AFL-Teams mit je einer Stimme untereinander ausmachen müssen. Für eine Mehrheit braucht es da also 4 Stimmen. Das wird wahrscheinlich eher eng.
Die Twilight Teams sind hier insgesamt in einer neuen Situation. In der Vergangenheit gab es immer wieder Sonderregeln oder Regeln, bei deren Verbiegung man kollektiv sicherheitshalber in die andere Richtung gesehen hat. Solange die Top-Teams nicht in Gefahr waren selbst wichtige Spiele zu verlieren, waren sie da vergleichsweise großzügig.
Die Division I Teams werden hier sicher eine andere Gangart einlegen. Man will nicht zum Schlachtvieh für die Devils und Lions werden, sondern mitspielen. Damit werden A-Klasseregelung usw. sicher deutlich genauer gehandhabt werden als bisher.
Alles in allem eine interessante Ausgangssituation. Bei der Ligasitzung wird man spätestens die endgültige Entscheidung treffen. Eine Außenseiter-Chance besteht auch noch in einer Festlegung des Modus durch den Vorstand des AFBÖ. Traditionell werden die Teams und ihre Wünsche umgesetzt. Rein nach den Statuten müsste man das aber nicht und könnte einfach festsetzen, wer wo spielt. Die Teams hat man ja bereits gefragt, sollte der Konsens der Teams nicht halten, will man weitere Diskussionen vielleicht mit einem Machtwort lösen.
Passiert das, dann wird in weiterer Folge die Generalversammlung spannend, in der alles erneut umgeworfen werden könnte. Allerdings bräuchten etwaige “Rebellen” dann auch einen alternativen Vorstand, der eine Mehrheit bekommt. Geeignete arbeitswillige Kandidaten sind da aber eher Mangelware.
Wir bleiben jedenfalls am Ball und werden über die weitere Entwicklung berichten.






October 19th, 2008 at 23:43
Super Zusammenfassung!
October 29th, 2008 at 03:33
Was sagen uns die Namen Marku Dattler, Josef Frisch, Verena Höchstätter, Marco Heinrich, Sebastian Zorn, Christoph Hellmann, Burghard Enzinger, Ruth Wagner, Heri Hahn, Claus Stumpfer, Martin Stojaspal, Christoph Reiterer um nur ein paar zu nennen?
Nicht viel, wie man aus dem Eintrag herauslesen kann.
Das ist schade.
Walter
October 30th, 2008 at 10:21
“…weil sich die regelmäßige überregionale Berichterstattung über die AFL in Wahrheit auf etwa vier Journalisten beschränkt.”
Auf welche der genannten Personen soll das zutreffen? Wer von ihnen versorgt uns überregional mit regelmäßigen tiefgründigen Berichten, für die sie die Liga jenseits veröffentlichter Tabellen analysieren? Vielleicht habe ich ja jemanden übersehen – deswegen auch “etwa vier” und nicht nur “vier” – aber viele können es nicht sein. (Eigentlich könnte man sogar den Botenschlager abziehen, da er möglicherweise nur in Wien und Vorarlberg erscheint.)
Der wesentliche Punkt ist aber ein anderer. Egal wieviele Journalisten es sind, und wenn es nach mir geht würde ich mir eher 100 wünschen als 4, muss man diese vereinfachend in 2 Gruppen teilen.
1. Die eine Gruppe, die sich mit der Sache wirklich beschäftigt. Die werden kein Problem haben, da die Twilight Liga ja nicht extrem kompliziert ist. Ein Atomphysik Studium wird man da nicht brauchen, sondern ca. 3 Minuten Beschäftigung mit dem Thema.
2. Die Gruppe, die sich nicht ernsthaft mit Football beschäftigt. Dort bekommen wir die lokale Jubelmeldung, eine Geschichte darüber wieviele Schnitzel der neue Lineman essen kann und wie super es ist die Hauptstädter in die Pfanne zu hauen. Diese Gruppe investiert die 3 Minuten nicht, um die Twilight Zone zu verstehen. Ob das aber einen echten Unterschied macht, wage ich zu bezweifeln.